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Luxemburg

Sehenswürdigkeiten in Luxemburg

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Sehenswert

Sehenswürdigkeiten in Luxemburg: Burgen, Felsen und Weinberge

Marktplatz von Echternach
Marktplatz von Echternach

Die Dichte an lohnenden Stopps ist in Luxemburg hoch: Innerhalb einer Tagestour lassen sich Burgen, Felsenlandschaften, eine UNESCO-Welterbe-Altstadt und Weinberge problemlos kombinieren. Die folgenden Ziele eignen sich besonders gut als Etappen einer Motorradrunde — jeweils mit Hinweis zur Anfahrt und zum Parken. Öffnungszeiten und Eintrittspreise wechseln saisonal, die genannten Angaben sind Richtwerte.

Burg Vianden

Die Burg Vianden thront rund 310 Meter hoch über dem Ourtal und zählt zu den größten und besterhaltenen Burganlagen westlich des Rheins. Die Anlage geht auf ein römisches Kastell zurück und wurde vom 10./11. Jahrhundert an ausgebaut; sie gilt als eine der bedeutendsten feudalen Residenzen der Romanik und Gotik in Europa und wurde 2019 von CNN unter die 21 schönsten Burgen der Welt gewählt. Die Anfahrt durchs Ourtal und die kurvige Auffahrt nach Vianden sind selbst schon ein Erlebnis. Geöffnet ist die Burg ganzjährig (im Sommer, April bis September, von 10 bis 18 Uhr, letzter Einlass 17:30 Uhr; im Winter kürzer), geschlossen nur am 1. Januar, 2. November und 25. Dezember. Der Eintritt für Erwachsene liegt bei rund 11 € (inkl. Kurtaxe). Im Ort gibt es Parkmöglichkeiten; zur Burg hinauf geht es zu Fuß oder mit dem Sessellift — Luxemburgs einzigem, der über das Ourtal bis auf 440 Meter führt, wo eine Bergstation mit Terrasse und Aussicht wartet.

Schloss Clervaux

Schloss Clervaux im Norden des Éislek ist ein weißes Höhenschloss über dem gleichnamigen Tal. Es beherbergt gleich mehrere Ausstellungen und ist ein natürliches Ziel für eine Runde durch die Luxemburger Ardennen. Die Zufahrt über die Talstraßen rund um Clervaux ist kurvenreich; im Ort findet sich Parkraum unterhalb des Schlosses, etwa am Parking Benelux im Zentrum. Was in den Schlossräumen zu sehen ist, steht weiter unten bei den Regentag-Zielen – für die Fahrtplanung wichtig ist nur, dass das Haus montags und dienstags geschlossen bleibt.

Müllerthal und Schiessentümpel-Wasserfall

Das Müllerthal — die „Kleine Luxemburger Schweiz" — besteht aus stark bewaldetem Sandstein, den die Erosion zu bizarren Felsgärten geformt hat. Das bekannteste Postkartenmotiv ist der Schiessentümpel (luxemburgisch Schéissendëmpel), ein kleiner Wasserfall an der Schwarzen Ernz, bei dem das Wasser in drei Strömen unter einer alten Steinbrücke über eine Felsstufe fällt. Der große Parkplatz liegt an der Straße CR121 zwischen dem Ort Mullerthal und der Kreuzung an der Breidweiler Brücke, rund 500 Meter vom Wasserfall entfernt; von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Alternativ erreicht man die Stelle über das Touristcenter Heringer Millen auf einem etwa 1 km langen Wanderweg. Anfahrt in die Region über die N10 entlang der Sauer Richtung Echternach und weiter über die kleinen CR-Straßen.

Luxemburg-Stadt

Die UNESCO-Welterbe-Altstadt der Hauptstadt (seit 1994 auf der Welterbeliste) liegt spektakulär auf Felsen über den Tälern von Alzette und Petruss. Pflichtprogramm sind die Bock-Kasematten im Bockfelsen und die Adolphe-Brücke, eine der größten Gewölbebrücken der Welt, die 42 Meter über dem Petruss-Tal die Ober- mit der Unterstadt verbindet. Mit dem Motorrad fährt man die Stadt am besten am Rand an und parkt in einem der Parkhäuser — die Altstadt selbst erkundet man zu Fuß. Wer die Maschine sicher abstellen will, findet in mehreren Parkhäusern eigene Motorradstellplätze.

Echternach

Echternach an der Sauer ist die älteste Stadt Luxemburgs, gewachsen um die 698 vom heiligen Willibrord gegründete Abtei. Der historische Marktplatz mit dem gotischen „Denzelt" bildet den Kern, und die Stadt ist der ideale Ausgangspunkt für Touren ins Müllerthal und entlang der deutsch-luxemburgischen Grenze. Parken lässt sich gut am Rand der Altstadt, etwa am Stadtpark mit dem See; an der Basilika gibt es ebenfalls Parkplätze.

Stausee Obersauer

Der Obersauer-Stausee bei Esch-sur-Sûre (Esch-Sauer) ist mit rund 3,8 km² Wasserfläche der größte See Luxemburgs und liegt mitten im Naturpark Obersauer. Die Straßen rund um den See bieten eine schöne, ruhige Tagesrunde; das mittelalterliche Städtchen Esch-sur-Sûre liegt in einer hufeisenförmigen Flussschleife und wird von einer Burgruine überragt. Der See ist zugleich Trinkwasserreservoir des Landes — Baden ist nur in ausgewiesenen Zonen erlaubt, das tut der Aussicht aber keinen Abbruch.

Moseltal

Im Südosten begleitet die Mosel auf der „Route du Vin" die Weinberge zwischen Schengen und Wasserbillig. Diese gut ausgebaute Talstraße ist entspanntes Cruisen mit Weinort-Stopps in Remich (der „Perle der Mosel"), Grevenmacher (Sitz des größten privaten Weinproduzenten Bernard-Massard und Schauplatz des größten Weinfests des Landes) und Schengen — und ein schöner Kontrast zum kurvigen Norden. Bekannte Adressen entlang der Strecke sind etwa die Caves St Martin mit ihren in den Fels getriebenen Kellern und die Caves Poll-Fabaire in Wormeldange. Für Motorradfahrer gilt: Verkostungen reizvoll, aber die Promillegrenze von 0,5 ‰ beachten — wer fährt, bleibt alkoholfrei.

Kultur & Sagen

Sagen um Melusina und die Luxemburger Burgen

Luxemburg ist ein altes Land mit einem reichen Schatz an Sagen, und viele davon hängen an Orten, die man auf einer Tour ohnehin passiert: Felsentäler, Burgenberge, Flussschleifen. Was folgt, sind Volkserzählungen, keine Geschichtsschreibung.

Melusina, die Gründungssage der Hauptstadt

Der Sage nach verirrte sich Graf Siegfried einst auf der Jagd in das enge Tal der Alzette, wo der Bockfelsen mit den Resten einer alten Römerburg aufragt. Dort erblickte er die wunderschöne Melusina, die Nixe der Alzette, und verliebte sich in sie. Siegfried erwarb den Felsen und errichtete darauf eine Burg — den Keim der späteren Stadt Luxemburg. Melusina wurde seine Gemahlin und schenkte ihm sieben Kinder, doch jeden Samstag zog sie sich vor allen Blicken zurück. Eines Tages spähte Siegfried durchs Schlüsselloch und sah sie im Bad mit einem Fischschwanz. In dem Moment, so erzählt man, versank Melusina in der Tiefe des Felsens. Der Sage nach erscheint sie seither alle sieben Jahre wieder über dem Bockfelsen — mal als schöne Frau, mal als Schlange — und stickt an einem Hemd, an dem sie nur einen einzigen Stich pro Jahr macht: Ist es fertig, wird sie erlöst. Eine Statue erinnert in der Stadt am Ufer der Alzette an die Legende.

Geister und wilde Jäger der Ardennen

Die einsamen Wälder und tiefen Täler des Éislek sind seit jeher der Stoff für Geistererzählungen. Der Sage nach ist in manchen Ardennen-Wäldern in stürmischen Nächten der wilde Jäger mit seiner Meute unterwegs — eine Gestalt, die in vielen Regionen Mitteleuropas auftaucht und die man auch hier in den dunklen Forsten verortet hat. Solche Geschichten passen zur Stimmung, wenn man am späten Abend durch die schattigen Talstraßen rollt: Sie erklären, warum die Menschen die abgelegenen Wälder früher mit Respekt und einer Prise Furcht betraten. Im Müllerthal tragen viele Felsformationen sprechende Namen wie „Teufelsinsel“ oder „Hohllay“ — zwischen Naturwunder und Sagenstoff verläuft dort ohnehin keine klare Linie.

Burgen mit Geschichten

Auch die alten Burgen tragen ihre Erzählungen. Um Anlagen wie Vianden ranken sich Geschichten von einstigen Grafen und ihren Schicksalen, und um manch verfallene Ruine im Éislek erzählt man sich von verborgenen Schätzen und verwunschenen Burgfräulein. Belegt ist davon nichts — die Burgen erzählen deshalb doppelt, einmal in Stein und einmal in Worten.

Sehenswert

Festung, Burgen & Museen: sehenswürdige Stopps an Regentagen

Wenn das Éislek-Wetter umschlägt, ist das kein verlorener Tag: Luxemburg hat eine ungewöhnliche Dichte an überdachten Zielen, die Geschichte greifbar machen. Die folgenden Stopps funktionieren auch bei Regen.

Festung und Kasematten Luxemburg-Stadt

Luxemburg-Stadt trug einst den Beinamen „Gibraltar des Nordens" — wegen ihrer gewaltigen Festungswerke. Die Bock-Kasematten sind das eindrucksvollste Überbleibsel: ein System unterirdischer Gänge im Bockfelsen, das zu Spitzenzeiten eine Gesamtlänge von rund 23 Kilometern erreichte und über mehrere Etagen bis in etwa 40 Meter Tiefe reichte. Die ersten Kasematten entstanden ab 1644 unter spanischer Herrschaft, später bauten österreichische und französische Festungsbaumeister sie aus. Festungsanlage und Altstadt stehen seit 1994 auf der UNESCO-Welterbeliste. Geöffnet sind die Kasematten in der Saison (etwa März bis Anfang November), der Eintritt liegt bei rund 8 €. Ein Rundgang durch die kühlen Gänge mit ihren Schießscharten und dem Blick über das Alzette-Tal ist der ideale Regenprogramm-Punkt — festes Schuhwerk und eine Lage zum Überziehen schaden nicht, drinnen ist es auch im Sommer frisch.

Burg Vianden und das Victor-Hugo-Haus

Die Burg Vianden lässt sich auch bei schlechtem Wetter ausgiebig besichtigen — die weitläufigen Säle der feudalen Residenz, von der Waffenkammer über den Rittersaal bis zur Kapelle, sind überdacht. Im Ort selbst liegt das Victor-Hugo-Haus, ein Literaturmuseum im ehemaligen Wohnhaus des französischen Dichters, der Luxemburg sehr schätzte und mehrfach in Vianden weilte; von hier aus zeichnete er die berühmte Skizze der Burg. Beides zusammen füllt bequem einen verregneten Nachmittag.

Abtei Echternach

In Echternach bilden die romanische Basilika mit der Krypta und dem Grab des heiligen Willibrord sowie der historische Abteikomplex einen geschützten Rundgang durch über 1.300 Jahre Geschichte. Bibliothek und Skriptorium der Abtei hatten im Mittelalter europäischen Ruf — der berühmte „Codex aureus" stammt von hier. Das Abteimuseum in den historischen Kellergewölben zeigt kostbare Handschriften und Faksimiles und erzählt die Geschichte der Buchmalerei. Echternach ist außerdem für die jährliche Springprozession (UNESCO-Kulturerbe) zu Pfingsten bekannt.

The Family of Man in Clervaux

Schloss Clervaux beherbergt die berühmte Fotoausstellung „The Family of Man", von Edward Steichen zusammengestellt und seit 2003 im UNESCO-Weltdokumentenerbe geführt — ein Manifest für Frieden und Völkerverständigung mit 503 Fotografien aus 68 Ländern. Geöffnet ist sie in der Saison mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr, Eintritt rund 6 €, sonntags um 16 Uhr gibt es eine kostenlose Führung. Im selben Schloss sind außerdem ein Modell-Museum mit Burgnachbauten Luxemburgs sowie eine Ausstellung zur Ardennenschlacht untergebracht.

Geschichte der Ardennenoffensive

Der Norden Luxemburgs war im Winter 1944/45 Schauplatz der Ardennenoffensive (Battle of the Bulge). Das Nationalmuseum für Militärgeschichte in Diekirch zeigt die Ereignisse auf über 3.000 m² Ausstellungsfläche mit großen, lebensgroßen Dioramen, zehntausenden Exponaten und zahlreichen Fahrzeugen beider Seiten — eindringlich und detailreich aus amerikanischer, deutscher und ziviler Sicht aufbereitet. Geöffnet ist das Museum täglich von 10 bis 18 Uhr, der Eintritt für Erwachsene liegt bei rund 5 €. Orte wie Diekirch, Vianden, Wiltz und Clervaux waren von den Kämpfen besonders betroffen; an vielen Stellen erinnern Denkmäler und erhaltene Panzer an die Schlacht.

Sehenswert

Natur-Stopps im Müllerthal und an der Our

Die Landschaft ist in Luxemburg nicht Kulisse, sondern Teil der Tour. Es folgen die lohnendsten Naturziele und Pausenplätze entlang der Strecken.

Naturpark Obersauer und Stausee

Der Naturpark Obersauer wurde 1999 als erster Naturpark Luxemburgs gegründet und umfasst rund 162 km². In seinem Herzen liegt der Obersauer-Stausee mit etwa 380 Hektar Wasserfläche, der zugleich das Trinkwasserreservoir des Landes ist. Die Runde um den See bietet ruhige Straßen, Aussichten auf das Wasser und gute Pausenplätze; vom Kuelebierg über Esch-sur-Sûre reicht der Blick auf die hufeisenförmige Flussschleife. In Esch-sur-Sûre gibt es ein altes Tuchmacherhaus mit Naturpark-Zentrum, das sich gut für eine längere Rast eignet.

Naturpark Our

Der Naturpark Our im äußersten Norden lebt von den engen Tälern entlang der Grenzflüsse Our und Sauer. Die Talstraßen sind kurvig und landschaftlich reizvoll, mit Deutschland direkt auf der anderen Flussseite. Vianden mit seiner Burg ist der bekannteste Anlaufpunkt der Region; oberhalb des Ortes liegt das Pumpspeicherkraftwerk Vianden, eines der größten Europas, dessen Oberbecken auf dem Mont Saint-Nicolas einen weiten Rundblick über das Éislek bietet. Die Auffahrt dorthin ist ein kurvenreicher Abstecher, der sich lohnt.

Müllerthal und der Mullerthal Trail

Das Müllerthal gehört zum Deutsch-Luxemburgischen Naturpark und ist von der UNESCO als Global Geopark anerkannt. Wanderer erkunden die Felsen auf dem Mullerthal Trail, der mit drei Rundwegen insgesamt rund 112 Kilometer umfasst. Für Motorradfahrer reicht oft schon ein kurzer Abstecher zu Fuß — etwa zum Schiessentümpel, durch die enge Wolfsschlucht oder zu einer der spektakulären Felsformationen — als perfekte Beinvertretungs-Pause. Das Touristcenter Heringer Millen bei Mullerthal ist ein guter Ausgangs- und Einkehrpunkt mit Parkplatz.

Éislek-Hochland und Moseltal

Das Éislek ist das bewaldete Hochland des Nordens: weite Hochflächen, Mischwälder, kleine Dörfer in Flusstälern. Im Gegensatz dazu ist das Moseltal im Südosten offen und sonnig, von Weinbergen geprägt. Beide Regionen liefern lohnende Aussichtspunkte und schattige bzw. sonnige Rastmöglichkeiten — je nach Wetterlage wählt man entsprechend. An der Mosel lohnt ein Stopp an einem der Aussichtspunkte über den Weinterrassen, etwa bei Wormeldange oder am Markusberg oberhalb von Wasserbillig.

Schiefer im Norden, Sandstein im Süden: was der Untergrund vorgibt

Wie sich Luxemburg fährt, entscheidet sich unter dem Asphalt. Das Ösling im Norden steht auf devonischem Schiefer, Grauwacke und Quarzit, den harten, wasserundurchlässigen Gesteinen des Rheinischen Schiefergebirges. Rund ein Drittel der Landesfläche gehört dazu. Weil das Gestein dicht ist, läuft Regenwasser oberflächlich ab, und die Flüsse haben sich über Jahrmillionen in enge Kerbtäler eingesägt statt breite Auen zu schaffen. Für den Straßenbau blieben nur zwei Möglichkeiten: unten am Wasser entlang oder in Kehren die Hangflanke hinauf. Beides ist bis heute so trassiert. Die Kurvenradien sind eng, weil sie es sein mussten, und an den Anschnitten steht der steil gestellte Schiefer oft direkt neben der Fahrbahnkante.

Kanone in den Kasematten der Stadt Luxemburg
Kanone in den Kasematten der Stadt Luxemburg

Das hat praktische Folgen. Schiefer verwittert plattig und zerfällt bei Frostwechsel in scharfkantige Splitter, die im Frühjahr am Fahrbahnrand liegen — meist auf der Innenseite der bergseitigen Kurven, wo der Böschungsfuß abgeht. Nach nassen Wintern lohnt in den ersten Wochen der Saison ein Blick auf den Kurvenausgang, bevor man am Gas bleibt.

Südlich der Linie zwischen dem mittleren Sauertal und dem Attert-Raum beginnt das Gutland, geologisch der nordöstliche Rand des Pariser Beckens. Hier wechseln mesozoische Schichten aus Sandstein, Mergel und Kalk. Weiche und harte Lagen verwittern unterschiedlich schnell, deshalb liegt das Land in Stufen: flache Plateaus, dazwischen Geländekanten von einigen Dutzend Metern. Straßen queren diese Stufen in langen, gleichmäßigen Rampen und laufen oben weit aus. Wer vom Ösling ins Gutland wechselt, merkt den Unterschied im Handgelenk — aus ständigem Radienwechsel wird Fluss, aus Konzentration Übersicht.

Kluftgassen und Blockfelder: Fahren im Müllerthal

Der Luxemburger Sandstein ist die auffälligste dieser Schichten. Im Osten des Landes liegt er als mächtige Platte auf weicherem Mergel. Weil der Untergrund nachgibt, ist die Platte über die Jahrtausende in Blöcke zerbrochen, die entlang ihrer senkrechten Klüfte auseinandergedriftet sind. Übrig blieben die schmalen Felsgassen, Spalten und Blockfelder, die dem Müllerthal seinen Ruf eingebracht haben. Die Struktur ist für Motorradfahrer direkt spürbar: Oben auf der Sandsteinplatte liegen Felder und Dörfer, und die Verbindungsstraßen laufen dort ruhig und offen. Sobald eine Straße in eine der Schluchten absteigt, wird sie schmal, dunkel und windet sich zwischen Felskanten hindurch, die stellenweise unmittelbar an der Fahrbahn stehen.

Die typische Gefahr hier ist nicht die Kurve, sondern der Belag. Sandstein zerfällt zu feinem Quarzsand, und nach Starkregen spült dieser Sand aus den Waldwegen und Böschungen auf die Fahrbahn. Er sammelt sich bevorzugt in Senken, an Einmündungen von Forstwegen und am Fuß von Gefällestrecken. Auf trockenem Asphalt ist das eine dünne, hell schimmernde Schicht, die sich in Schräglage anfühlt wie Rollsplitt. Dazu kommt der geringe Lichteinfall unter dem Buchenschirm: Fahrbahnen, die vormittags schon abgetrocknet aussehen, bleiben unter dichten Kronen noch stundenlang feucht. Ein Teil der Felswände ist mit Netzen gesichert, ein anderer nicht — nach Frostperioden und nach kräftigem Regen liegen einzelne Brocken auf der Straße. Der Sandstein wurde hier seit Jahrhunderten als Baustein gebrochen; die alten Steinbrüche sind heute begrünt, ihre Zufahrten münden aber weiterhin ohne Sichtdreieck in die Straße.

Grenzbrücken über Our und Sauer

Im Osten und Nordosten übernehmen zwei Flüsse die Staatsgrenze. Die Sauer kommt aus den belgischen Ardennen, durchquert das Land von West nach Ost und mündet bei Wasserbillig in die Mosel; die Our begleitet den Nordosten. Beide Flüsse sind auf ihren Grenzabschnitten gemeinschaftliches Hoheitsgebiet, die Grenze läuft also nicht am Ufer, sondern der Fluss gehört beiden Staaten zusammen. Im Sattel ist davon nichts zu sehen: Kontrollen gibt es keine, das einzige verlässliche Zeichen des Grenzübertritts ist die Brücke.

Diese Brücken sind das eigentliche Skelett des Fahrens in der Region. Über Sauer und Our verbinden Straßenbrücken unter anderem Wasserbillig, Echternach, Bollendorf, Wallendorf, Vianden und Dasburg mit der deutschen Seite. Fast alle wurden im Winter 1944/45 gesprengt und in den Nachkriegsjahren neu errichtet — deshalb sind viele von ihnen technisch jung, während die Ortsdurchfahrten davor und dahinter mittelalterlichen Grundrissen folgen. Für die Fahrpraxis heißt das:

  • Die Zufahrten sind eng. Häufig führt eine nahezu rechtwinklige Kurve unmittelbar auf das Brückenbauwerk, weil die Uferstraße parallel zum Fluss verläuft und der Übergang quer dazu.
  • Fahrbahnübergänge und Stahlteile im Brückenbereich sind bei Nässe deutlich glatter als der angrenzende Asphalt.
  • In den engen Talkesseln hält sich morgens Kaltluft. Nebelbänke stehen oft nur über den Brücken und lösen sich hundert Meter weiter auf.
  • Werktags sind diese Übergänge zwischen etwa sieben und neun Uhr Pendlerstrecken. Der Verkehr fließt morgens ins Land hinein, abends heraus.

Wer eine Tour plant, kann die Brücken als Wendepunkte nutzen und dieselbe Talstrecke einmal auf jeder Uferseite fahren — die luxemburgische und die deutsche Seite unterscheiden sich in Breite, Belag und Streckenführung oft erheblich.

Moselufer, Schleusen und die Rampen über den Weinbergen

Der Südosten funktioniert nach anderen Regeln. Die Mosel ist seit ihrem Ausbau in den sechziger Jahren eine kanalisierte Großschifffahrtsstraße mit Staustufen und Schleusen, unter anderem bei Stadtbredimus und Grevenmacher. Der Talgrund ist entsprechend breit, die Uferstraße verläuft weitgehend gestreckt und wird nur von den Ortsdurchfahrten der Weinorte unterbrochen. Als reine Kurvenstrecke taugt sie wenig; ihr Wert liegt in der Verbindung und im Übergang.

Fahrerisch spannend sind die Hänge darüber. Zwischen den Weinorten führen kurze, steile Rampen aus dem Tal auf das Gutland-Plateau hinauf, oft mit engen Kehren zwischen Weinbergsmauern und mit Höhenunterschieden von rund hundertfünfzig Metern auf wenigen Kilometern. Oben liegt Ackerland, unten der Fluss, dazwischen der Steilhang mit Muschelkalk und Mergel im Untergrund. Zwei Dinge sind dabei zu beachten: Die Wirtschaftswege in den Rebflächen sind keine öffentlichen Straßen und meist geschottert oder mit Betonspuren belegt. Und zur Lese im Herbst bestimmen Traktoren mit Traubenanhängern das Tempo; auf den Rampen liegen dann Erde und Traubenreste, vor allem an den Einmündungen der Weinbergswege.

Die Straßenbrücken bei Schengen, Remich und Grevenmacher führen ans deutsche Ufer, im Dreiländereck bei Schengen liegt zusätzlich Frankreich in Sichtweite. Genau dort wurde 1985 auf einem Moselschiff das Abkommen unterzeichnet, dem die offenen Grenzen dieser Region ihren Namen verdanken — heute merkt man davon beim Übersetzen nur noch, dass sich die Beschilderung ändert.

Der Hauptstadt-Knoten: Viadukte, Talstraßen und der Pendlertakt

Luxemburg-Stadt liegt auf derselben Sandsteinplatte, die weiter östlich das Müllerthal bildet — und ist von Alzette und Pétrusse in mehrere Plateaus zerschnitten. Zwischen Oberstadt und Talsohle liegen rund sechzig Meter. Die Stadt hat dieses Relief nie eingeebnet, sondern überbrückt: Viadukte spannen sich über die Täler, darunter die Passerelle aus dem 19. Jahrhundert und die weit ausholende Verbindung zum Bürostadtteil Kirchberg. Wer unten fahren will, nimmt die alten Rampen nach Grund, Clausen und Pfaffenthal — schmal, steil, teils gepflastert und über weite Strecken als Einbahn geführt. Mit Gepäck und langem Radstand ist das mühsam; die Maschine steht in einem Parkhaus am Plateaurand besser.

Dichtes Netz, hohe Verkehrslast

Auf gut 2.500 Quadratkilometern hat Luxemburg ein außergewöhnlich engmaschiges Straßennetz. Praktisch jede Ortschaft ist mehrfach angebunden, was Umfahrungen und spontane Umplanungen leicht macht — man kommt selten in die Lage, eine Strecke zurückfahren zu müssen. Der Preis dafür ist die Verkehrsdichte: Kreisverkehre in kurzer Folge, häufige Tempowechsel an Ortseingängen, verkehrsberuhigte Zonen in den Dörfern und fest installierte Geschwindigkeitsmessanlagen an den Hauptachsen.

Grenzgänger bestimmen den Tagesrhythmus

Etwa jede zweite Arbeitsstelle im Land ist mit einem Grenzgänger besetzt. Die Ströme kommen aus Lothringen, aus der belgischen Provinz Luxemburg und aus dem Raum Trier und Saarland, und sie bündeln sich morgens und am späten Nachmittag auf den Zufahrten zur Hauptstadt und auf den Grenzbrücken. Der öffentliche Nahverkehr ist im gesamten Land seit 2020 kostenlos, der Berufsverkehr auf der Straße bleibt trotzdem massiv. Für die Tourenplanung heißt das schlicht: Start nach neun, Rückweg vor sechzehn Uhr, und die Region um die Hauptstadt an Werktagen möglichst großräumig umfahren. An Wochenendvormittagen sind dieselben Strecken auffallend leer.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Burg Vianden über dem Ort

Burg Vianden (Schloss Vianden)

Eine der größten Burganlagen westlich des Rheins, romanisch-gotisch auf einem Felssporn rund 100 Meter über der Our. Der Aufstieg zur Terrasse gibt den Blick über das Ourtal und die deutsche Grenzseite frei.

Anfahrt
Im Ourtal an der deutschen Grenze; von Diekirch/Ettelbrück über die Talstraße nach Vianden, dann die Rampe hinauf zur Burg.
Motorrad-Parken
Motorrad-Stellplätze am Parkplatz unterhalb der Burg und im Ort; die letzten Meter zum Tor zu Fuß.
Öffnungszeiten
Täglich ab 10 Uhr; November bis Februar bis 16 Uhr, März und Oktober bis 17 Uhr, April bis September bis 18 Uhr.
Höhe/Aussicht
Burg auf rund 310 m, etwa 100 m über dem Fluss.

Obersauer-Stausee bei Esch-sur-Sûre

Mit 3,8 km² die größte Wasserfläche Luxemburgs, eingebettet in die bewaldeten Éislek-Hänge und zugleich wichtigster Trinkwasserspeicher des Landes. Dazu Esch-sur-Sûre, das die Sûre in einer fast geschlossenen Schleife umfließt, überragt von einer Burgruine.

Anfahrt
Im Sûre-Tal im westlichen Éislek; von Esch-sur-Sûre führen die Uferstraßen an Staumauer und Seeufer entlang.
Motorrad-Parken
Parkflächen an den Badestellen und am Ortsrand von Esch-sur-Sûre; Motorräder problemlos abzustellen.
Öffnungszeiten
frei zugänglich
Höhe/Aussicht
Seespiegel auf rund 322 m; Uferlänge etwa 48 km.
Ausstellung „The Family of Man" in Clervaux

Schloss Clervaux mit „The Family of Man"

Die weiße Höhenburg über dem Clerve-Tal beherbergt Edward Steichens Fotoausstellung „The Family of Man", seit 2003 im UNESCO-Weltdokumentenerbe. Schon der Schlosshof lohnt den Halt im nördlichen Éislek.

Anfahrt
Im Clerve-Tal im Norden des Éislek; über die Talstraße nach Clervaux, die Burg thront auf dem Felsen über dem Ortskern.
Motorrad-Parken
Parkplätze im Ort unterhalb der Burg; kurzer Anstieg zu Fuß zum Schloss.
Öffnungszeiten
Schlosshof frei zugänglich; die Fotoausstellung „The Family of Man" ist ein Museum mit Eintritt und eigenen Öffnungszeiten.
Höhe/Aussicht
Clervaux liegt auf rund 500 m; die Burg auf dem Felssporn darüber.

Buurgplaatz bei Huldange

Höhenrücken mit Turm und Gedenkplatte im äußersten Norden, unmittelbar neben dem höchsten Punkt Luxemburgs. Weiter Blick über die nördlichen Ardennen-Hochflächen bis ins Dreiländereck mit Belgien.

Anfahrt
Im nördlichen Éislek nahe Huldange in der Gemeinde Troisvierges, wenige Kilometer von der belgischen Grenze; über die Höhenstraßen erreichbar.
Motorrad-Parken
Kleine Rastfläche am Gipfel; für Motorräder unproblematisch.
Öffnungszeiten
frei zugänglich
Höhe/Aussicht
559 m; der benachbarte Kneiff ist mit 560 m der höchste Punkt Luxemburgs.

Schengen und das Dreiländereck an der Mosel

Am Zusammentreffen von Luxemburg, Deutschland und Frankreich, wo 1985 das Schengener Abkommen unterzeichnet wurde. Uferpromenade an der Mosel, dazu das Europamuseum zur Geschichte des offenen Europas.

Anfahrt
Am südlichen Ende der luxemburgischen Mosel; die Weinstraße von Remich flussaufwärts nach Schengen.
Motorrad-Parken
Parkplätze am Europazentrum und an der Moselpromenade; Motorräder direkt am Ufer.
Öffnungszeiten
Moselufer und Dreiländereck frei zugänglich; das Europamuseum ist eine Attraktion mit eigenen Öffnungszeiten.

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